Forderungspapier der OG Wolfenbüttel

Kurzfassung des Forderungspapiers
von
FFF Wolfenbüttel

Die Klimakrise stellt die größte Bedrohung für Menschheit und Ökosysteme im 21. Jahrhundert dar. Bis 2019 hat sich die Welt laut Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um circa ein Grad Celsius erwärmt und diese Erwärmung schreitet weiter voran. Folgen der Erderwärmung und der Klimakrise, wie der Anstieg des Meeresspiegels und die Häufung extremer Wetterereignisse, wie Dürren und Stürme, werden Verlust von Landflächen, Klimaflüchtlinge, Artensterben und zuletzt den Verlust unserer Lebensgrundlagen als Konsequenz nach sich ziehen. Während wir auf die Kipppunkte der Klimakrise zusteuern, sind wir die Letzten, die sie aufhalten können,aber auch die Ersten, die die Folgen der Erderwärmung spüren werden. Es steht in unserer Verantwortung, jetzt etwas zu unternehmen!

Die folgende Kurzfassung des Forderungspapiers von Fridays for Future Wolfenbüttel enthält zusammengefasst zu jedem klimarelevanten Bereich sowohl eine Vision für die Zukunft unserer Stadt und unseres Landkreises in 2035 als auch die aus unserer Sicht wichtigsten Maßnahmen, um die Vision zu erfüllen. Für die Erstellung haben wir mit Expert*innen aus der Wissenschaft und Verbänden zusammengearbeitet. Trotzdem erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, oftmals gibt es noch weitere sinnvolle Maßnahmen, die im öffentlichen Diskurs sowie von Stadt und Landkreis erarbeitet werden sollten. Der Einfachheit halber schreiben wir nur „Wolfenbüttel“, meinen damit aber die gesamte Fläche des Landkreises.

Allgemein

Zunächst erkennen die Verwaltungen den Klimawandel offiziell als Klimakrise an. Wolfenbüttel arbeitet außerdem darauf hin, schnellstmöglich klimaneutral zu werden, spätestens aber bis 2035. Klimaneutralität bedeutet, dass in Wolfenbüttel nur so viel C02 ausgestoßen werden darf, wie von der Umwelt aufgenommen werden kann. Dabei gehen dieVerwaltungen mit gutem Beispiel voran: Sie installieren auf allen Gebäuden in öffentlicher Hand Photovoltaikanlagen und achten bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben besonders auf Umweltkriterien. Außerdem verfassen sie einen Gesamtbericht zum Status Quo des Klimaschutzes und erarbeiten auf dieser Basis bis 2021 ein Klimaschutzkonzept, dass den Zeitplan und die Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität enthält. Das neu eingerichtete und finanziell und personell gut ausgestattete Klimaschutzmanagement veröffentlicht alle zwei Jahreeinen Bericht zum Stand des Klimaschutzes in Wolfenbüttel.

Energie

Wolfenbüttel bezieht seine Energie und Wärme aus regionalen erneuerbaren Quellen und wird bis 2035 klimaneutral. Dabei sind die Versorgungsnetze an die Klimaschutzziele angepasst und eineflächendeckende, stabile Energieversorgung ist sichergestellt. Auf dem Weg dahin arbeiten die Kommunen eng mit der Ostfalia zusammen. Die Wolfenbütteler*innen werden zum Beispiel über Bürgergenossenschaften an der Energiegewinnung durch Erneuerbare Energien beteiligt. Mit Grundversorgung sollte nicht zulasten der Wolfenbütteler*innen Geldverdient werden deshalb werden die Stadtwerke Wolfenbüttel vollständig rekommunalisiert.

Mobilität

In Wolfenbüttel wurde eine radikale Mobilitätswende zugunsten des Umweltverbundes, also hin zu Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) und Fußund Fahrradverkehr, vollzogen. Fußund Fahrradinfrastruktur sind großzügig ausgebaut, deswegen sind örtliche und überörtliche Ziele durch ein Netz an Verbindungen, vor allem Fahrradstraßen, sicher und komfortabel zu erreichen. Es gibt deutlich mehr (sichere) Fahrradabstellanlagen. Auf besonders wichtigen Strecken, wie zum Beispiel WolfenbüttelBraunschweig, gibt es einen Radschnellweg. Durch massiveInvestitionen, in Zusammenarbeit mit Regionalverband und Land, ist das ÖPNVNetzverlässlich,attraktiv undfür die Fahrgäste kostenfrei. Um den Umweltverbund zu stärken, wird auch das Autofahren unattraktiver gemacht, zum Beispiel durch innerörtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen und Parkraumbewirtschaftung. Ein starker Umweltverbund hat viele Vorteile: Bessere Gesundheit, Klimaschutz, höhere Lebensqualität, weniger Stau und vieles mehr.

Stadtentwicklung und Bau

In der Stadt und Ortsentwicklung inWolfenbüttel wird nach einem integrierten Ansatz vorgegangen, bei dem Klimaund Umweltschutz deutlich priorisiert werden. So werden beispielsweise Neubaugebiete an bestehenden ÖPNVAchsen geplant. Alle Baumaßnahmen, auch in Gewerbegebieten,finden unter klimafreundlichen und ökologischen Gesichtspunkten statt. Die Kommunen nehmen Gebäudebegrünung und ein Verbot von Schottergärten in ihre Bebauungspläne auf. Versiegelung von Flächen wird auf ein Minimum reduziert. Eine „Dachbörse“ bringt Dachbesitzer*innen und regionale Investoren zusammen, um durch eine „Vermietung“ von Dachflächen Photovoltaikanlagen zu errichten.

Ökologie und Umwelt

In Wolfenbüttel erhalten Klima, Umwelt und Naturschutz einen deutlich höheren Stellenwert. Dazu gehören neben der großzügigen Neupflanzung von Bäumen auch die Entsiegelung von Flächen und die Vernetzung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Hecken, Blühstreifen und Kurzumtriebsplantagen werden gefördert. Moore nehmen weltweit nur etwa 23% der Fläche ein, speichern jedoch doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Deswegen werden Moore in Wolfenbüttel, insbesondere das Große Bruch, wiedervernässt und ebenso wie Flüsse und andere Biotope renaturiert.

Bildung und Soziales

Die Wolfenbütteler*innen wissen über ökologische Kreisläufe, die Klimakrise und unseren Anteil daran Bescheid. Sie besitzen das Wissen, die Fähigkeiten und die Möglichkeiten, um ein nachhaltiges Leben zu führen und sich für das Klima und die Umwelt einzusetzen. Unter anderem durch eine jährliche Klimaschutzwoche an den Schulen ist der Klimaschutzgedankeschon bei Kindern und Jugendlichen verankert. Durch die sozialverträgliche Umsetzung der Maßnahmen zum Klimaschutz hat sich die Lebensqualität aller Wolfenbütteler*innen verbessert.

Ernährung und Landwirtschaft

Wolfenbüttels Nahrungsmittel sind soweit möglich regional, saisonal und klimafreundlich hergestellt. Die Kommunen und der Landkreis fördern unter anderem nachhaltige Ernährungsprojekte wie Schulgärten, regionale Erzeugermärkte und den Umstieg auf BioLandwirtschaft. Allen Wolfenbütteler*innen ist eine klimafreundliche Ernährung einfach zugänglich und das notwendige Wissen für eine gesunde, klimafreundliche Ernährung ist vorhanden. In Wolfenbütteler Mensen und Kantinen gibt es ein vielfältiges regionales, vegetarisches und veganes Essensangebot. Lebensmittelverschwendung ist auf ein Minimum reduziert.

Wirtschaft

Unternehmen besitzen ein Bewusstsein für klimafreundliches Verhalten und sind sich ihrer Handlungsmöglichkeiten und Verantwortung bewusst. Alle Produkte und Dienstleistungen in Wolfenbüttel sind in ihrer Bilanz mindestens klimaneutral. Der Umbau von Unternehmen hin zu mehr Klimaschutz und klimafreundliche Startups werden gefördert.

Ressourcen und Abfall

Wolfenbüttel nutzt seine Ressourcen nachhaltig. Abfallprodukte werden als Rohstoff betrachtet und einem ganzheitlichen Kreislaufmanagement zugeführt. Nicht verwertbare Abfälle werden nach dem Stand der Wissenschaft entsorgt. Die Wolfenbütteler*innen können sich über den Verbleib der von ihnen entsorgten Produkte informieren. Auch hier gehen die Verwaltungen mit gutem Beispiel voran: sie setzen Mülltrennung im gesamten öffentlichen Raum um und verzichten selbst auf vermeidbare Kunststoffprodukte

Kompensation

Alle unvermeidbaren Treibhausgasemissionen und Umweltbelastungen, die bei Dienstleistungen, Bauund Infrastrukturmaßnahmen oder der Produktion von den in Wolfenbüttel erhältlichen Produkten entstehen, sind durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen.